MÄRZ / MARCH 2026
MATT BROWNING
All Woodcarvings Remain Slow Motion Mobiles
20. März - 31. Mai 2026, Eröffnung: 19. März, 19 Uhr
20 March - 31 May 2026, opening: 19 March, 19:00
DE
All Woodcarvings Remain Slow Motion Mobiles (dt. Alle Holzschnitzereien bleiben Zeitlupen-Mobiles) deutet auf ein zentrales Paradox von Matt Brownings Holzarbeiten hin. Die Objekte erscheinen fest und reglos, doch eigentlich sind sie das Ergebnis andauernder Bewegung – Wochen wiederholten Schneidens und Schnitzens – und bleiben zugleich der langsamen Eigenbewegung des Holzes über die Zeit hinweg unterworfen. Was wie ein Stillstand erscheint, ist nicht die Abwesenheit von Bewegung, sondern deren Überrest; eine Gestalt, die durch nachhaltige körperliche Anstrengung vorübergehend stabilisiert wird.
Seit 2013 arbeitet Browning kontinuierlich in der Schnitzerei. Diese Ausstellung versammelt Arbeiten aus diesem Werkzusammenhang, überwiegend Schnitzereien aus Douglasienholz. Alle Werke sind mit Verfahren der Kettenglied-Schnitzerei entstanden und wurden aus jeweils einem einzelnen Stück Holz gefertigt. So können innere Hohlräume, Raster und Rahmen ohne nachträgliche Montage entstehen. Raum wird folglich nicht aus separaten Teilen konstruiert; vielmehr wird Material abgetragen, bis sich Räumlichkeit aus dem Block herausbildet. Die entstandenen Formen befinden sich in einem uneindeutigen Status zwischen geschlossener Masse und offenem Gefüge, dicht und durchlässig zugleich.
Jede Skulptur entsteht in einem präzisen, reduktiven Arbeitsprozess, in dem dieselben Handgriffe tausendfach wiederholt werden. Ist Material einmal entfernt, lässt es sich kaum wieder herstellen. Was bleibt, ist keine Demonstration des Könnens, sondern die Ansammlung von Entscheidungen, die Aufzeichnung von Zeit, die als Struktur sichtbar wird. Obwohl die Skulpturen unbeweglich erscheinen, befinden sie sich in einem Zustand latenter Bewegung und lassen sich entfalten oder zusammenlegen, auch wenn sie aus einem massiven Block geschnitzt sind. In der Installation im Ausstellungsraum bilden sie ein genau austariertes Feld von Beziehungen – Abständen, Ausrichtungen, Intervallen –, in dem Schnitzerei weniger als Technik der Darstellung verstanden wird denn als Mittel, um Raum und Dauer zu strukturieren.
All Woodcarvings Remain Slow Motion Mobiles ist Matt Brownings erste institutionelle Einzelausstellung und entsteht in Kooperation mit dem Mies van der Rohe Haus in Berlin und wird großzügig unterstützt von der Karin und Uwe Hollweg Stiftung. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Beiträgen von Rhea Anastas und Matt Browning, herausgegeben von Tom Engels.
ENG
All Woodcarvings Remain Slow Motion Mobiles suggests a paradox at the center of Matt Browning’s work in wood. Objects that appear fixed and inert are in fact the result of prolonged movement—weeks of repeated cutting and carving—and remain subject to the wood’s own slow movement over time. What appears as stillness is not the absence of motion but its residue, a form temporarily stabilized through sustained physical engagement.
Since 2013, Browning has worked steadily in carving. The exhibition brings together works produced during this time, all carved in Douglas fir. All of the works take the form of chain-link carvings cut from a single piece of wood, through which interior voids, grids, and frames emerge without assembly. Rather than constructing space from separate parts, material is removed until space grows from the block itself. The resulting forms hold an ambiguous position between solid mass and open lattice, at once dense and permeable.
Each sculpture is produced through an exacting reductive process in which the same gestures are performed thousands of times, with little possibility of revision once material has been removed. What remains is not a demonstration of skill but an accumulation of decisions, a record of time made visible as structure. Though they appear motionless, the sculptures are held in a state of latent movement, capable of unfolding or collapsing despite being carved from a solid block. Installed together, they establish a measured field of relations—distances, alignments, intervals—through which carving becomes less a technique of representation than a means of organizing space and duration.
All Woodcarvings Remain Slow Motion Mobiles is Matt Browning’s first institutional solo exhibition and is realized in collaboration with Mies van der Rohe Haus, Berlin, and with the generous support of the Karin und Uwe Hollweg Stiftung. The exhibition is accompanied by a publication with contributions by Rhea Anastas and Matt Browning, edited by Tom Engels.
DOROTHEA LASKY
Roses
präsentiert im Schaufenster von Jason Dodge / Fivehundred Places, übersetzt von Vera Lutz
presented in the Schaufenster by Jason Dodge / Fivehundred Places, translated by Vera Lutz
21. März - 14. Juni 2026, Eröffnung: 20. März, 19 Uhr
21 March - 14 June 2026, opening: 20 March, 19:00
DE
Seit 2012 ist der Künstler Jason Dodge Herausgeber des Lyrikverlags fivehundredplaces, der sich der Verbreitung zeitgenössischer Literatur jenseits konventioneller Distributionswege widmet. Auf Einladung des Kunstverein München hat Dodge für das Schaufenster der Institution eine Reihe konzipiert, in der zu jeder Ausstellung jeweils ein Gedicht präsentiert wird. Die Auswahl erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein und basiert auf Publikationen, die dieses Jahr im Verlag erscheinen werden. So werden neue lyrische Texte im Verlauf des Programms und vor ihrer Veröffentlichung im öffentlichen Raum sichtbar.
Die Reihe beginnt mit Roses, einem neuen Gedicht der amerikanischen Dichterin Dorothea Lasky aus ihrem bald bei 500places erscheinenden Band Flowers. Als leuchtende Schrift im Schaufenster installiert und jederzeit vom Hofgarten aus sichtbar, wird der Text ohne vermittelnde Rahmung in den Stadtraum übertragen. Er richtet sich gleichermaßen an Passant:innen sowie an Besucher:innen des Kunstvereins, fügt sich in alltägliche Bewegungsabläufe ein und eröffnet zugleich die Möglichkeit konzentrierter Lektüre.
Durch die deutschsprachige Übersetzung der Künstlerin Vera Lutz erhält das Gedicht eine zweite Stimme, die Rhythmus und Intonation leicht verschiebt. Zwischen den beiden Sprachen und dem Innen- und Außenraum positioniert, entfaltet sich das Gedicht durch Wiederholung und erneute Begegnung, in dem es mit einem flüchtigen Blick registriert, im Vorübergehen wieder gelesen oder beinahe unbewusst aufgenommen wird. Mit der Zeit wird der Text weniger als Gegenstand der Aufmerksamkeit denn als beständige, zurückhaltende Präsenz wahrgenommen, deren Wirkung sich je nach Perspektive, Lichtverhältnis und Tageszeit stetig verändert.
Das Projekt wird von der Danish Arts Foundation unterstützt.
ENG
Since 2012, the artist Jason Dodge has published fivehundredplaces, a poetry imprint dedicated to the circulation of contemporary writing outside conventional literary channels. Invited to develop a sequence of contributions for the Schaufenster of the Kunstverein München, Dodge presents a poem for each exhibition chapter, selected in collaboration with the institution from volumes that will appear later this year. In this way, new writing enters public space ahead of its publication, unfolding gradually over the course of the program.
Roses, a new poem by the American poet Dorothea Lasky from her forthcoming volume Flowers for 500places, inaugurates this collaboration. Installed as a luminous text in the garden-facing window visible from the Hofgarten at all hours, it meets the city without mediation. It addresses passersby as much as intentional visitors, entering the flow of daily movement while remaining available to sustained attention.
Presented in German translation by the artist Vera Lutz, the poem acquires a second voice that subtly shifts its rhythm and inflection. Suspended between languages and between interior and exterior, it unfolds through repetition and return: encountered at a glance, reread in passing, or absorbed almost unconsciously. Over time, the text may come to be encountered less as an object of attention than as a quiet presence, registering differently with distance, light, and time.
The project is supported by the Danish Arts Foundation.
JULIE PEETERS
New Visual Identity
Neue visuelle Identität
DE
Der Kunstverein München präsentiert eine neue visuelle Identität, die in enger Zusammenarbeit mit der belgischen Grafikdesignerin Julie Peeters entstanden ist. Nach mehr als zwanzig Jahren, in denen die Abkürzung „km“ als primäres Symbol der Institution war, kehrt der Kunstverein zu einem Logo zurück, das seinen vollständigen Namen ausschreibt. Es präsentiert „Kunstverein München“ als etwas, das gänzlich gelesen werden kann und dem nicht nur als Akronym begegnet wird.
Das Logo wurde in der Serifenschrift Bembo gesetzt, die ihren Ursprung in der frühen Geschichte des Buchdrucks hat und seitdem mit dem literarischen Verlagswesen in Verbindung gebracht wird. Es betont Kontinuität und Lesbarkeit gegenüber grafischer Unmittelbarkeit. Die ausgewogenen Proportionen des Logos stehen im Kontrast zu der für zeitgenössisches Branding typischen visuellen Dringlichkeit und laden stattdessen zu einer bewusst langsameren Betrachtung ein. Ein prägnantes Detail ist die Gestaltung des Umlauts „ü“ in „München“, der von dem Typografen Chiachi Chao neu entworfen und in den Buchstaben selbst integriert wurde. Damit erinnert der Schriftzug an eine historische Inschrift an der Fassade des Gebäudes, ohne diese direkt zu reproduzieren.
Julie Peeters arbeitete bereits zwischen 2015 und 2019 mit dem Kunstverein München zusammen. Ihre Rückkehr bietet die Gelegenheit, die grafische Identität der Institution über die Zeit hinweg neu zu betrachten – auf früheren Ansätzen aufzubauen und zugleich auf gegenwärtige Bedingungen zu reagieren.
ENG
Kunstverein München introduces a new visual identity developed in close collaboration with the Belgian graphic designer Julie Peeters. After more than twenty years, during which the abbreviation “km” served as the institution’s primary symbol, the Kunstverein returns to a logotype that spells out its full name, presenting “Kunstverein München” as something to be read in full rather than encountered as an acronym.
Set in the serif typeface Bembo, rooted in the early history of book printing and long associated with literary publishing, the logotype emphasizes continuity and legibility over graphic immediacy. Its measured proportions contrast with the visual urgency typical of contemporary branding, inviting a slower form of attention. A distinctive feature is the treatment of the umlaut in “München,” redesigned by the typographer Chiachi Chao and integrated into the character itself, which echoes a historical inscription on the building’s exterior without reproducing it directly.
Julie Peeters previously collaborated with Kunstverein München between 2015 and 2019. Her return has offered an opportunity to reconsider the institution’s graphic identity across time, building on earlier work while responding to present conditions.