James Richards
30. Januar – 22. März 2015
Kuratiert von Bart van der Heide und Nina Gscheider.
Die Ausstellung mit Arbeiten des walisischen Künstlers James Richards (geb. 1983 in Cardiff), die am 30. Januar 2015 im Kunstverein München eröffnet wird, ist die erste Übersichtsausstellung über sein neueres Werk, die in einer deutschen Kunstinstitution stattfindet. Filme und Collagen aus bewegten Bildern werden dabei durch das Zusammenspiel der vier miteinander verbundenen Ausstellungsräume des Kunstvereins München zu einem gemeinsamen erzählerischen Bogen aus Bildern und Tönen verknüpft. Damit gelingt es Richards, das retrospektive Moment, das der Werkauswahl wie auch den inhaltlichen Rückbezügen innewohnt, in die Gegenwart zu holen und in ein umfassendes räumliches Erlebnis zu verwandeln. Die Ausstellung bildet den Abschluss einer ungemein produktiven Phase innerhalb der letzten beiden Jahre, in der der Künstler an renommierten Ausstellungen wie den Biennalen von Venedig (2013), Lyon (2013) und Genf (2014) teilgenommen hat und in wichtigen Institutionen wie dem Artists Space in New York oder dem Fridericianum in Kassel (2013/2014) an Gruppenausstellungen beteiligt war. Zudem war er 2014 sowohl für den bedeutenden Turner-Preis als auch den deutschen ars-viva-Preis nominiert.
James Richards arbeitet mit den Medien Film und Installation, stellt aber auch Programme zusammen. Damit übernimmt er in seiner künstlerischen Praxis gleichzeitig die Rollen eines Kurators, eines Sound Designers, eines Redakteurs und eines Künstlers. Neben dem Film, der im Zentrum seines Werks steht, beschäftigt sich Richards auch immer wieder mit der Collage. Dabei stellt er historisches oder zeitgenössisches Material von Künstlern und Filmemachern wie Stuart Baker, Stephen Sutcliffe und Julia Heyward mit zufällig gefundenem Originalmaterial zusammen, das aus Onlinequellen, privaten oder öffentlichen Archiven oder ausrangierten alten Videobändern stammt. In dieser Materialansammlung entwickelt sich eine Spannung, durch die ein einzelnes Bild in ein Gefühl umschlagen kann. Es gelingt Richards also, so mit dem existierenden Material umzugehen, dass daraus eine unmittelbare, zeitgenössische Darstellung bestimmter Themen – Sexualität, Gender und Traumata – entsteht. Für diese Aufladung des angeeigneten Materials spielt auch der Klang eine entscheidende Rolle.
Richards’ künstlerische Praxis ist typisch für eine junge Generation von Künstlern, die sich kritisch mit dem Thema der Authentizität beschäftigen. Sie untersuchen die Konsequenzen, die sich in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft für die Kunst, das Branding, die Werbung und die kulturelle Vielfalt ergeben. Insofern erhebt der Künstler auch keinen Anspruch auf Authentizität des gesammelten Materials und verzichtet auf endgültige finale Versionen seiner Arbeiten. Stattdessen sammelt er im Laufe der Zeit umfangreiches Material, das er für jede neue Arbeit, jeden neuen Kontext und jedes neue Publikum neu arrangieren und modifizieren kann.