Kosen Ohtsubo & Christian Kōun Alborz Oldham

Flower Planet

1. Februar – 24. April 2025

Kosen Ohtsubo und Christian Kōun Alborz Oldham verbinden eine unkonventionelle Auseinandersetzung mit Ikebana – der Kunst des Blumensteckens – und die Fürsprache für die Praxis des jeweils anderen.

Der Kunstverein München präsentiert mit Flower Planet zwei Künstler im Dialog, die durch ihre Arbeit mit uns alltäglich umgebenden Materialien und dem Herstellen von zerbrechlichen Skulpturen die Erde als lebendige Einheit betrachten und nicht als Territorium, das es zu besitzen gilt. Ihre Arbeiten konfrontieren uns mit Fragen des in und mit der Welt Seins, Prozessen des Zerfalls, flüchtiger Schönheit und der Unmöglichkeit menschlicher Kontrolle. Diesem Verständnis von Ökologie und konzeptueller Kunstpraxis kommt im gegenwärtigen Zustand unserer Umwelt eine drängende Komponente zu. 

Der japanische Künstler Kosen Ohtsubo ist einer der bedeutendsten Praktiker und Lehrer der Kunstform Ikebana. Traditionell soll das Ikebana-Arrangement durch kostbare Pflanzen die Natur in den Lebensraum des Menschen bringen und gleichzeitig die kosmische Ordnung darstellen. Ohtsubo erlangte in den 1970er Jahren jedoch gerade durch die Verwendung alltäglicher Materialien wie Gemüse oder Abfall große Bekanntheit. Seine Arbeiten geben der seit Jahrhunderten praktizierten Kunstform Ikebana eine subversive und vollkommen überraschende Form. „Ich möchte die Vorstellung von schönem Ikebana sprengen“, sagt Ohtsubo. So werden Badewannen zu Gefäßen für Körper und Blumen oder ganze Schrottplätze verwandeln sich in ausufernde Arrangements.

Christian Kōun Alborz Oldham beschäftigt sich mit den Beziehungen, die der Produktion und dem Leben der Dinge eingeschrieben sind. Oldham begreift Ikebana und das Arbeiten mit lebendiger Materie als Akte der Verhandlung; eine Verhandlung von Zeit, Raum und menschlichen Beziehungen. Ikebana ist dabei immer auch eine beinahe performative Zurschaustellung der Illusion menschlicher Kontrolle. 2013 fand Oldham in einer Zeitschrift eine Abbildung der Arbeiten von Ohtsubo und kontaktierte ihn. Was folgte waren Ausbildungsjahre bei Ohtsubo in Japan und eine intensive Lehrer-Schüler Beziehung. Parallel zur Ausbildung als Ikebana-Meister begann Oldham mit dem Archivieren von Ohtsubos zahlreichen Fotoarbeiten aus den letzten fünfzig Jahren und mit Vorträgen über die Geschichte und Entwicklung der Praxis. Es folgten Ausstellungen mit Fotografien von Ohtsubos Arbeiten in Seattle, New York und Los Angeles. Diese Vermittlung und das Kümmern um die Sichtbarkeit der Praxis wurde für Oldham selbst zum künstlerischen Medium, um Autorenschaft und Aneignung, (Un-)Lesbarkeit und Akte der Fürsprache zu verhandeln.  

Ausstellungsbroschüre DE / EN


VERANSTALTUNGSPROGRAMM

Samstag, 1. Februar, 16 Uhr
Künstlergespräch mit Kosen Ohtsubo & Christian Kōun Alborz Oldham

Samstag, 12. April, 12–16 Uhr
Ikebana-Workshop mit Christian Kōun Alborz Oldham
- ausgebucht -
Der Workshop ist kostenfrei aber wir freuen uns über eine kleine Spende.

Zwischen 15.–17. April, 12–18 Uhr
Flower Planet for Kids
Offenes Angebot für Kinder während der ersten Osterferienwoche

Abbildungen:
[1]; [4]; [6]; [8]; [12]; [19] Installationsansicht: Kosen Ohtsubo & Christian Kōun Alborz Oldham, Flower Planet, Kunstverein München, 2025. Courtesy die Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[2] Kosen Ohtsubo, 龍生展のゴミ⅕ / ⅕ the Rubbish of the Ryusei Exhibition, Ikebana-Ausstellungsmüll, maschinell genähte Nachbildung von Jute-Müllsäcken aus dem Kaufhaus, hergestellt von Kosen und seiner Frau Tosen Nishitani, Tusche mit Kalligrafiepinsel aufgetragen, produziert und ausgestellt im Oktober, 1971, in Ikebana Ryusei Exhibition, Matsuzakaya, Ueno, Tokyo, erstmals publiziert in Ikebana Ryusei Magazine, Dezember, 1971, Foto: Ryusei Photo Department.
[3] Kosen Ohtsubo, 何に見える? / What Can You See?, Glas, neuseeländischer Flachs, Wollgarn / Glass, New Zealand flax, wool yarn, produziert im Februar, 1974, erstmals publiziert in Ikebana Ryusei Magazine, April, 1974, Foto: Ryusei Photo Department.
[5] Detail: Christian Alborz Oldham, The Speaking Machine, 2024-2025, 12 MP3-Tonaufnahmen, alle Oberflächen des Kunstverein Münchens, Wi-Fi-Netzwerk, aufgenommen in Wien, Österreich, mit einem modifizierten Nachbau der Sprechenden Maschine von Wolfgang von Kempelen, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[7] Detail: Kosen Ohtsubo, SAME?「青桐に何が起ったか?」 / SAME? “What Happened to the Chinese Parasol Tree?”, [Chinesischer Parasolbaum, produziert im Dezember, 1989, erstmals publiziert in Nihon Jhosei Shimbun, Januar, 1980, Foto: Kosen Ohtsubo], Fine Art Print, 2024, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[9] Detail: Kosen Ohtsubo, Linga München, 2025, 300 Korbweidenruten, Kerze, Metallrahmen, Plastik- und Metallbinder, Metallschrott, Erde, verschiedene Blumen und Blätter, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[10] Detail: Kosen Ohtsubo, Linga München, 2025, 300 Korbweidenruten, Kerze, Metallrahmen, Plastik- und Metallbinder, Metallschrott, Erde, verschiedene Blumen und Blätter, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[11] Detail: Kosen Ohtsubo, Linga München, 2025, 300 Korbweidenruten, Kerze, Metallrahmen, Plastik- und Metallbinder, Metallschrott, Erde, verschiedene Blumen und Blätter, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[13] Detail: Kosen Ohtsubo, 怪芋III / Strange Callas III, 2025, Calla-Lilie, Weide, individuell gestalteter Eisenkasten, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[14] Detail: Kosen Ohtsubo, 怪芋III / Strange Callas III, 2025, Calla-Lilie, Weide, individuell gestalteter Eisenkasten, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[15] Detail: Christian Kōun Alborz Oldham, Penny Waking up from a Dream, 2025, Karotte, Chinesische Langbohne, reflektierende Kugel, japanischer geflochtener Bambuskorb, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[16] Detail: Christian Kōun Alborz Oldham, Penny Waking up from a Dream, 2025, Karotte, Chinesische Langbohne, reflektierende Kugel, japanischer geflochtener Bambuskorb, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[17] Detail: Christian Kōun Alborz Oldham, Dateline, 2025, Blitzableiter, Medjool-Dattel, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[18] Detail: Christian Kōun Alborz Oldham, Dateline, 2025, Blitzableiter, Medjool-Dattel, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2024. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.; Foto: Maximilian Geuter.
[20] Detail: Kosen Ohtsubo, Willow Rain, 2025, 800 Korbweidenruten, Metallrahmen, in: Flower Planet, Kunstverein München, 2025. Courtesy der Künstler und Kunstverein München e.V.;  Foto: Maximilian Geuter.

Das Projekt wird gefördert durch die Karin und Uwe Hollweg Stiftung.

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