Präsentation von Archivalien während der Ausstellung
Shifts
19. September – 23. November 2025
Parallel zur Ausstellung Shifts von Iris Touliatou wird eine Dokumentation der Ausstellung Dream City im Archivraum gezeigt. Die Ausstellung Dream City fand vom 25. März bis 20. Juni 1999 im Stadtraum und in den drei Münchner Institutionen Kunstraum München, Kunstverein München und Museum Villa Stuck statt. Das Projekt wurde von Dirk Luckow initiiert, der den Bereich Bildende Kunst des Siemens Art Program leitet. Die Ausstellung wurde maßgeblich vom Siemens Art Program gefördert. In der Einleitung im Katalog fassen die vier Kurator*innen Jo-Anne Birnie Danzker, Luise Horn, Dirk Luckow, Dirk Snauwaert die Idee der Ausstellung wie folgt zusammen:
„Das Münchner Gemeinschaftsprojekt ‚Dream City‘ versammelt ein Spektrum unterschiedlicher künstlerischer Ansätze und Themenfelder, die sich nicht auf einen einzelnen kunstspezifischen Gattungsbegriff reduzieren lassen. Es handelt sich um Positionen gesellschaftsbezogener Kunstpraktiken, die unter Begriffen wie ‚soziale Skulptur‘, ‚Interventionskunst‘, ‚Gender Art‘, ‚Kunst als Dienstleistung‘, ‚Institutionskritik, ‚Kunst im öffentlichen Raum‘, ‚Site Specificity‘ oder ‚Ambient Art‘ kursieren. […] Den Anspruch der KünstlerInnen, sozialpartizipatorisch und ortsbezogen zu arbeiten, wollen die vier Institutionen in einer in München neuen Art der Zusammenarbeit umsetzen.
Der häufig einseitigen Darstellung der ‚Traumstadt München‘ als einer musealisierten Innenstadt mit ihrem barocken Illusionismus, ihrer Kulissenhaftigkeit und ihrer Simulation von Authentischem für den Tourismus wird mit dieser Ausstellung widersprochen.“
An der Ausstellung nahmen 31 Künstler*innen Teil. In der Archivraumpräsentation werden die Gestaltung der Coporate Identiy der Ausstellung durch Peter Friedl sowie die Beiträge von AA Bronson, Félix González-Torres, Yvonne Doderer, Pia Lanzinger und Michaela Melián in Zusammenarbeit mit Kein Mensch ist illegalthematisiert. Darüber hinaus wird auf die Presseberichterstattung über den Beitrag von Annette Weisser und Ingo Vetter eingegangen, der aufgrund von Unstimmigkeiten mit der Firma Siemens nicht in der Ausstellung gezeigt wurde.
Die Installation Festung von Michaela Mélian bestand aus einer aufblasbaren und bemalten Containerburg und wurde in Zusammenarbeit mit der Gruppe Kein Mensch ist illegal entwickelt, die 1997 auf der documenta X in Kassel gegründet wurde. Während der Laufzeit der Ausstellung wurde die Installation an verschiedenen Orten im Münchner Stadtraum aufgestellt wurde.
Das Coporate Design der Ausstellung – das Logo, die Print-Produkte wie Briefpapier, Flyer, Poster und der Ausstellungskatalog – wurden von Peter Friedl gestaltet. Hierbei orientierte er sich an dem Corporate Design von Siemens.
Pia Lanzingers Beitrag bestand aus einem Faltplan und Busreisen, die sich mit dem Verhältnis von Stadtraum und Geschlecht beschäftigen. Diese beiden touristischen Formate, die ein möglichst kommensurables Sightseeing ermöglichen sollten, wurden mit neuen Inhalten gefüllt.
Yvonne Doderer veröffentlichte im Rahmen der Ausstellung Dream City den Reader never give up!, der von ihr und dem Kunstverein München herausgegeben wurde. Im Reader sind zweierlei Textarten versammelt: Grundlagentexte der sogenannten Zweiten Welle der Frauenbewegung / Neue Frauenbewegung sowie Interviews. Der Reader konnte nicht nur im Kunstverein, sondern an weiteren Orten erworben werden: „Das Buch kursiert durch den physischen Raum der Ausstellung, durch Buchhandlungen und Läden, Bibliotheken und andere Orte der diskursiven Auseinandersetzung und provoziert die Imagination von neuen Räumen.“
Dream City war die erste Ausstellung, an der sich AA Bronson als Einzelkünstler und nicht als Teil der Gruppe General Idea beteiligte. Die drei Mitglieder der Gruppe – Felix Partz, Jorge Zontal und AA Bronson – arbeiteten seit 1969 miteinander. Die Fotografie und der Text Felix, June 5, 1994 thematisieren den Tod von Felix Partz sowie das Teilen und das Enden einer gemeinsamen Identität. Die Fotografie von Felix Partz auf dem Sterbebett wurde in der Villa Stuck sowie an fünf Plakatwänden im Stadtraum gezeigt.
Die Arbeit Untitled (Go-Go Dancing Platform) (1991/1999) von Félix González-Torres wurde im ehemaligen Wohnzimmer in der Villa Stuck ausgestellt und bestand aus einer himmelblaue mit Glühbirnen umsäumte Plattform. Die Plattform blieb den Großteil des Tages leer – „außer wenn ein männlicher Go-Go-Tänzer sporadisch nach Lust und Laune dort auftritt. Die Zuschauenden hören keine Musik, während er zu den Klängen eines Walkmans tanzt“, heißt es in einer Review. Die Arbeit wurde erstmal 1991 in der Andrea Rosen Gallery in New York gezeigt. Für die Ausstellung Dream City wurde sie, drei Jahre nachdem Félix Gonzalez-Torres an AIDS starb, abermals installiert.
[1-4] Installationsansicht Archivraumpräsentation zu Dream City (1999), Kunstverein München, München, 2025.