Tiphanie Kim Mall
Hauskatze
2020
Digitales Video, Farbe, Ton
22 min, Loop
Mai – 30. Juni 2024
(Schaufenster am Hofgarten & online)
Die Videoarbeit Hauskatze von Tiphanie Kim Mall verfolgt die alltäglichen Aktivitäten ihrer Katze aus der Sicht der vierbeinigen Begleiterin. Dazu hat die Künstlerin eine Kamera am Halsband der Katze befestigt, um ihr das Filmen zu überlassen. Die Arbeit befriedigt gleich zwei voyeuristische Begierden: Wir erhalten Zugang zur Perspektive des Haustiers und zugleich einen intimen Einblick in die Wohnung bzw. das Atelier der Künstlerin, wo wir sie sowohl bei der Arbeit als auch in ihrer Freizeit beobachten können. Das Videomaterial wurde über einen Zeitraum von sechs Monaten aufgenommen und zu einer losen Erzählung zusammengeschnitten, die den Alltag des Zusammenlebens und die vermeintliche Kollaboration abbildet.
Der Bildausschnitt wird konstant von Schnurrhaaren eingerahmt, während wir den Bewegungen der Katze durch das gemeinsame Zuhause folgen: Mal springt sie unkontrolliert auf Möbel, dann schlendert sie gemächlich umher oder ruht sich aus. Der Blick des Tieres schweift über Dokumente oder zeigt Ausschnitte aus Malls E-Mail-Korrespondenzen, ebenso wie es den geliebten Fressnapf sowie Details des Bodens und der Wand aufzeichnet oder die Künstlerin immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln einfängt – je nach (Des-)Interesse an der Bezugsperson. Sinnbildlich für die Kommunikation zwischen Mensch und Katze gibt die Tonspur nur wenige, meist unentzifferbare Wortfetzen preis. Ansonsten ist der Sound geprägt von der miauenden Katze, die die Aufmerksamkeit der Künstlerin einfordert, und dem Rascheln, das durch ihre Aktivitäten entsteht.
Die Arbeit ist durch ein spezifisches Verhältnis zwischen Innen und Außen geprägt, was auch in der Präsentation im Kunstverein akzentuiert wird: Zum einen beschränkt sich der Alltag der Künstlerin und ihrer Katze im Video aufgrund der Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie im Jahr 2020 angeordnet wurden, weitestgehend auf die Wohnung im ersten Stock und den Blick von dort auf die Straße. Andererseits bleiben die Protagonistinnen hinter der Schaufensterscheibe gefangen, hinter der das Video gezeigt wird. Mall und Pana – so der Name der Katze, der während eines liebevollen Austauschs zwischen den beiden enthüllt wird – beobachten sich gegenseitig: Wir sehen nicht nur die Perspektive der Katze, sondern die Aufnahmen der Kamera, mit der das Tier ausgestattet wurde, die das miteinander verwobene Leben von Pana und der Künstlerin in den Fokus der Beobachtung rücken.
Videostill: Hauskatze, 2020; Courtesy Tiphanie Kim Mall.
Installationsansichten: Tiphanie Kim Mall, Hauskatze, 2020, als Teil von Schaufenster, Kunstverein München, 2024. Courtesy bei der Künstlerin und Kunstverein München e.V.; Foto: Sebastian Kissel.
Das Projekt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.