Archiv Newsletter No. 17
Dezember 2025
Im Anschluss an den Archivnewsletter Der Kunstverein München im Nationalsozialismus. Was fragen, wie forschen? von Christian Fuhrmeister, widmet sich Leona Koldehoff der Zeit um 1950. Das „um“ ist hier als präzise Präposition zu verstehen, weil es sich auf einen Modus der Annäherung bezieht, der es ermöglicht, eine historisch spezifische, aber instabile zeitliche Konstellation anzusprechen. „Um 1950“ bezeichnet einen Zeitraum, der durch die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs, institutionelle Umstrukturierungen und das Fortbestehen künstlerischer und sozialer Netzwerke über den Wechsel der politischen Systeme hinweg geprägt ist. Innerhalb dieses zeitlichen Feldes rekonstruiert Leona Koldehoff die institutionellen Rahmenbedingungen und das Ausstellungsprogramm des Kunstvereins und zeichnet das Zusammenspiel zwischen Akteur*innen, Räume und künstlerische Positionen nach, in einer Zeit, die sich einem klaren Anfang und Ende entzieht.
Kunst und Kontinuitäten im Kunstverein München um 1950
von Leona Koldehoff
Das Hausarchiv des Kunstverein München weist für die Zeit von 1920 bis 1970 eine Lücke auf. Für die Rekonstruktion der Aktivitäten des Vereins in der Zeit nach 1945 sind daher die Überlieferungen in weiteren Archiven und Bibliotheken wie dem Stadtarchiv München, dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv und der Monacensia wichtige Ressourcen. Das Sammeln und Sichten diverser Archivalien bildet den Ausgangspunkt für die Beantwortung der Frage, welche Personen und Ereignisse die Aktivitäten des Vereins nach Ende des Zweiten Weltkriegs prägten. Wie lässt sich entlang von Archivalien wie Korrespondenzen, Protokollen, Notizen und Fotografien die Geschichte des Kunstvereins und seiner politischen, künstlerischen und bürgerlichen Netzwerke nach 1945 erzählen?
1945–1947: Zeit der personellen Rekonfiguration des Kunstvereins
In einer dicken Mappe im Stadtarchiv München, die durch ein schmales weißes Band zusammengehalten wird, befinden sich Korrespondenzen und Einladungen, die in der Zeit von 1931 bis 1945 vom Kunstverein an das Kulturamt der Stadt geschickt wurden.[1] Das letzte Blatt in der Mappe ist ein Brief von Erwin Pixis an Karl Scharnagl vom 2. Juli 1945. Erwin Pixis war von 1905 bis 1945 Direktor des Kunstverein München und trug während der NS-Zeit entscheidend zur Anpassung der Vereinssatzung und des Ausstellungsprogramms an die nationalsozialistische Ideologie bei.[2] In seinem Brief an Karl Scharnagl, der bis 1933 und ab 1945 Oberbürgermeister von München war, bietet Pixis die Mitarbeit des Kunstvereins beim Wiederaufbau des kulturellen Lebens der Stadt an und behauptet, dass der Verein nicht von der NS-Ideologie beeinflusst gewesen sei. Pixis schreibt: „Sie können ruhig mit uns riskieren, denn wir haben eine weiße Weste und sind völlig unifiziert durch die 1000 Jahre gekommen.“[3] Das Motiv der „weißen Weste“ findet sich in vielen Texten, in denen Täter*innen ihr Handeln während der NS-Zeit verleugnen.[4]
Kurz zuvor, im April 1945, waren alle Vereine in der US-amerikanischen Besatzungszone verboten worden und mussten sich bei der US Army neu lizensieren lassen.[5] Im April 1947 lud der Jurist Eberhard Kuchtner zur sogenannten Neugründungsversammlung des Kunstvereins ein.[6] Die Einladung, das Protokoll sowie eine Liste mit Unterschriften der 56 anwesenden Personen sind Teil des Protokollbuchs des Vereins, das in der Bibliothek der Monacensia eingesehen werden kann.[7] Blättert man von diesen Materialien aus dem Jahr 1947 ein paar Seiten zurück, entdeckt man das Protokoll der Mitgliederversammlungen von 1943 sowie die Vereinssatzung von 1936, die einen explizit antisemitischen Passus enthält.[8] Auf der ersten Seite des Protokolls von 1947 wird auf den Lizensierungsprozess, den Rechenschaftsbericht für die Jahre 1943 bis 1946 und den Beschluss einer neuen Satzung eingegangen. Obwohl alle drei Punkte die explizite Auseinandersetzung mit den Aktivitäten des Vereins, des Vorstands und seiner Mitglieder während der NS-Zeit erfordern würden, wird im Protokoll diese Zeit nicht ideologisch eingeordnet.[9] Auf der zweiten Seite des Protokolls werden die neuen Mitglieder des Vorstands und des sogenannten „Rat der Herren“ benannt. Der Vorstand bestand aus Eberhard Kuchtner als 1. Vorsitzendem, Anton Sappel als 2. Vorsitzendem und Hans Doß als Schatzmeister. Der Rat der Herren setzte sich aus den fünf sogenannten „Kunstmalern“ Karl Ewald Olszewski als Vorsitzender des Rates, Hermann Böcker, Paul W. Ehrhardt, Ernst Haider und Hans Müller-Schnuttenbach sowie zwei weiteren Personen zusammen.[10] Vier der fünf Künstler hatten nachweislich während der NS-Zeit an der Großen Deutschen Kunstausstellung (GDK) im Haus der Kunst und der Münchner Kunstausstellung im Maximilianeum teilgenommen.[11] Die GDK (1937–1944) war die wichtigste Ausstellung im „Dritten Reich“, die Schirmherrschaft hatte Adolf Hitler inne.[12] Die Münchner Kunstausstellung im Maximilianeum war die wichtigstes Ausstellung während der NS-Zeit in München, der „Hauptstadt der Bewegung“.[13] Darüber hinaus haben die Kunstmaler aus dem Rat der Herren während der NS-Zeit an weiteren Ausstellungen teilgenommen. In der Zeit der personellen Rekonfiguration ab 1947 wurden also vier Künstler, die während der NS-Zeit an zentralen Ausstellungen teilgenommen haben und ihre Karriere nach 1945 vorerst fortsetzen konnten, als Mitglieder des Rats der Herren in eine repräsentative Stellung gebracht. Um die Berufsbiografien der drei Vorstandsmitglieder Eberhard Kuchtner, Anton Sappel und Hans Doß während der NS-Zeit zu rekonstruieren, bedarf es weiterer Recherchen.[14] Die Fragen, wie die Zusammenarbeit des Vorstands und des Rats der Herren funktioniert hat und wer welche Entscheidungen getroffen hat, sind ebenfalls offen.
1948–1952: Zeit der räumliche Rekonfiguration: Ausstellungen in der Städtischen Galerie und der Villa Zügel
Bis Mitte der 1950er Jahre verfügte der Kunstverein München über keine eigenen Ausstellungsräume, da das Gebäude in der Galeriestraße 10 durch einen Bombenangriff im Dezember 1944 zerstört worden war.[15] Die erste Ausstellung fand vom 19. Dezember 1947 bis 25. Januar 1948 in der Städtischen Galerie statt, der heutigen Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.[16] Von 1949 bis 1952 organisierte der Verein Ausstellungen und Veranstaltungen in der sogenannten Villa Zügel in der Possartstraße 24 in Bogenhausen, die in den 1920er Jahren für den Maler Heinrich von Zügel, von 1895 – 1922 Professor für Tiermalerei an der Akademie der Bildenden Künste, erbaut worden war. Auch Heinrich von Zügel und sein Sohn Willy von Zügel nahmen an der Großen Deutschen Kunstausstellung und weiteren Ausstellungen während der NS-Zeit teil.[17] Das Ausstellungsprogramm des Jahres 1949 ist als Typoskript erhalten.[18] Die erste Ausstellung war Heinrich von Zügel gewidmet. In den gelisteten Gruppenausstellungen Münchner Malerei von „Annodazumal“, Münchner Malerei von „HEUTE“ und Zeitgenössische Malerei wurden künstlerische Positionen gezeigt, die an die Programmatik der Münchner Schule – einer konservativen lokalen Kunstströmung – anschlossen oder während der NS-Zeit ausgestellt wurden.[19] Im Frühjahr 1952 stellte der Kunstverein die Ausstellungstätigkeit in der Villa Zügel ein.[20] Dass der Verein in der Nachkriegszeit die Villa der Familie Zügel als Ausstellungsort nutzen konnte, kann als ein Hinweis für die Verbundenheit des Kunstvereins mit dem bürgerlichen und künstlerischen Milieu über den Wechsel der politischen Systeme hinweg betrachtet werden.
1953–1955: Eröffnung des Neubaus und erste Ausstellungen in der Galeriestraße 4
Am 27. Oktober 1953 wurden die neuen Räume des Vereins in der Galeriestraße 4 eröffnet, die der Kunstverein bis heute nutzt. Die freie Bildjournalistin Felicitas Timpe fotografierte in den ersten Jahren, von 1954 bis 1956, kontinuierlich die Ausstellungseröffnungen.[21] Ihre Fotografien ermöglichen es, einen Eindruck des Displays der Ausstellungen sowie der sozialen Settings zu bekommen. Auf die zwischenmenschlichen Begegnungen während der Eröffnungen wird im Folgenden der Fokus gerichtet.
Im Juni 1954 fand im Kunstverein die Bundestagung und -ausstellung der GEDOK (Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer e.V.) statt.[22] Bereits 20 Jahre zuvor, im Jahr 1934, hatte in den damaligen Räumen des Kunstvereins eine Tagung des Bundesverbands und eine Ausstellung der GEDOK stattgefunden.[23] In der Ausstellung Grafik – Malerei – Zeichnung (1954) waren Arbeiten von Künstlerinnen aus verschiedenen Ortsgruppen der GEDOK zu sehen. In einer Liste, die der Ausstellungsbroschüre beiliegt, sind die Namen von 121 Künstlerinnen aufgeführt.[24] Aus München sind unter anderem die damals sehr bekannten Malerinnen Maria Caspar-Filser und Henny Protzen-Kundmüller vertreten gewesen, deren Biografien auf sehr unterschiedliche Weise vom Nationalsozialismus beeinflusst worden waren, wie Anke Gröner und Karin Althaus in der Publikation Kunst und Leben 1918 bis 1955 detailliert ausführen.[25]
Auf den Fotografien der Ausstellungeröffnung sind die zahlreich anwesenden Künstlerinnen zu sehen. Von den Personen, die während der Eröffnung in der ersten Reihe saßen und zu den zentralen Gästinnen gehörten, konnte bisher nur Walther von Miller, der damalige Zweite Bürgermeister und Kulturreferent der Stadt München, identifiziert werden. Auf einer weiteren Fotografie ist Ernst Buchner zu erkennen, der die Fotografin Felicitas Timpe im Moment der Aufnahme anlächelt. Während der NS-Zeit war Ernst Buchner Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und in dieser Funktion an der Umsetzung der NS-Kulturpolitik beteiligt.[26] In dem Konvolut der Fotografien konnte bisher keine der anwesenden Künstlerinnen identifiziert werden.[27] Beim Betrachten der Künstlerinnen auf den Fotografien stellt sich die Frage, in welcher Atmosphäre sie hier aufeinandertrafen und worüber sie gesprochen haben. Wie waren ihre Beziehungen zu diesem Zeitpunkt untereinander? Welche privaten und beruflichen Erfahrungen während der NS-Zeit verbanden sie? Wer ist auf den Fotografien nicht zu sehen? Wurde über die Künstler*innen, die bis 1933 Mitglied der GEDOK waren und während der NS-Zeit ermordet wurden, gesprochen? Wer wurde vermisst?[28]
Am 15. Juli 1955 eröffnet die Einzelausstellung von Olaf Gulbransson, die bis zum 28. August 1955 zu sehen war.[29] Anlass war die Auszeichnung Gulbranssons mit dem Kunstpreis für Malerei und Grafik der Stadt München.[30] Gulbransson war als Karikaturist für die Satirezeitschrift Simplicissimus bekannt. Seit 1923 lehrte er an der Kunstgewerbeschule München, von 1929 bis 1938 war er Professor für Malerei und Grafik an der Akademie für Bildende Künste München und setzte die Lehrtätigkeit trotz Ruhestand bis 1943 fort.[31] Während der NS-Zeit hatte Gulbransson an der Großen Deutschen Kunstausstellung sowie weiteren Ausstellungen teilgenommen.[32] Eine Fotografie von Felicitas Timpe zeigt eine Gesprächssituation während der Ausstellungseröffnung am 15. Juli. Auf der Fotografie ist eine Unterhaltung zwischen Eberhard Kuchtner, dem 1. Vorsitzenden des Kunstverein München, Josef Oberberger, Franziska Bilek, Lother Kuppelmayr und Olaf Gulbransson zu sehen. Der Künstler Josef Oberberger war Schüler von Gulbransson, lehrte seit 1939 an der Kunstgewerbeschule und war von 1946 bis 1974 Professor für Malerei und Glaskunst an der Akademie der Bildenden Künste München. [33] Die Zeichnerin und Karikaturistin Franziska Bilek war ebenfalls Schülerin von Gulbransson und hatte von 1936 bis 1944 beim Simplicissimus mit Gulbransson zusammengearbeitet.[34] Der Journalist und Redakteur Lothar Kuppelmayr war Bileks Partner. Die Stimmung auf der Fotografie wirkt entspannt, freundlich und zugewandt.
Fazit
Ausgehend von Archivmaterialien wurden in diesem Newsletter die personellen, räumlichen und künstlerischen Konstellationen beschrieben, die die Nachkriegszeit im Kunstverein prägten. Blickt man auf das Geflecht von Mitgliedern des Vorstands und des Rats der Herren seit 1947 sowie der Villa Zügel als Ausstellungsort von 1949 bis 1952, werden Verbindungen des Kunstvereins mit Personen, Ausstellungen und Räumlichkeiten sichtbar, die während der NS-Zeit Teil des künstlerischen Netzwerks in München waren. Dass der Kunstverein mehrere Jahre die Villa Zügel als Ausstellungsort nutzen konnte, ist ein Sinnbild für die personellen und räumlichen Verflechtungen mit dem bürgerlichen Milieu über den Wechsel der politischen Systeme hinweg. Die Bundestagung und -ausstellung der GEDOK 1954 sowie die Ausstellung von Olaf Gulbransson 1955 können als beispielhaft für die NS-Kontinuitäten, sowohl intern als auch im Austausch mit anderen Vereinen, verstanden werden.[35] Ein genaueres Betrachten und Analysieren von Felicitas Timpes Fotografien der Ausstellungseröffnungen von 1954 bis 1956 und die Identifikation von Personen würden weiteren Aufschluss über die sozialen Konstellationen und ausgestellten Werke geben.[36]
Auf Basis der Recherche zur Nachkriegszeit im Kunstverein wird die Radikalität des institutionellen Umbruchs im Jahr 1970 deutlicher, den Adrian Djukić in dem Archivnewsletter „Der Klassenbegriff im Kunstverein München. Teil 4: Von der Kunst als Waffe zum Saxophon als Waffe gegen Kunst – Frühe 70er und 90er"analysiert hat. Um 1970 fand ein Wechsel von einem reaktionären zu einem progressiven Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm statt.[37] Welche personellen und politischen Entwicklungen ab Mitte der 1950er Jahre bis Ende der 1960er Jahren zu dieser Veränderung geführt haben, bedarf weiterer Archivrecherche sowie des Austauschs mit Zeitzeug*innen.
Welchen Effekt kann diese historische Forschung neben dem Sammeln und Betrachten der Fakten haben? Ein Effekt und ein zentrales Anliegen dieses Textes ist es, für die vielfältigen Verbindungen zwischen personellen, künstlerischen und politischen Zusammenhängen in Kunstinstitutionen zu sensibilisieren – in der historischen Forschung sowie in der Gegenwart. Hier gilt es auch, die Frage im Blick zu behalten, wie durch öffentliche und private Gelder die Arbeit und die Ausrichtung des Programms von Institutionen wie Vereinen und Museen sowie die Erforschung ihrer Geschichte beeinflusst wird. Die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft wird zunehmend von rechtsextremen und rechtspopulistischen Akteur*innen und Parteien in Frage gestellt.[38] Daher gilt es gegenwärtig und zukünftig umso mehr, sich zu vernetzen und auszutauschen, um sich gemeinsam für eine auf demokratischen Werten basierende Gesellschaft und eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte Deutschlands einzusetzen.
Leona Koldehoff ist Kunst-, Theater- und Informationswissenschaftlerin und Autorin und leitet seit 2025 das Archiv des Kunstverein München. Ihr Forschungsinteresse liegt auf der Schnittstelle von Institutions-, Ausstellungs- und Zeitgeschichte.
Lektorat: Line Ebert, Antonia Wolff
Korrektorat: Senta Gallant
Übersetzung: Stanton Taylor (Good and Cheap Art Translators)
Herzlichen Dank an Maurin Dietrich, Adrian Djukić, Christian Fuhrmeister, Katrin Schumacher und Beo Tomek für den Austausch sowie Angelika Betz und Dr. Cornelia Jahn (Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek) für die Archivrecherchen und die Bereitstellung der Fotografien von Felicitas Timpe.
Fußnoten
[1] Brief von Erwin Pixis an Karl Scharnagl, 2. Juli 1947, Stadtarchiv München, Signatur: DE-1992-KULA-0112-2.
[2] Zur Geschichte des Kunstverein München vor, während und nach der NS-Zeit siehe: Adrian Djukić, „Kunstverein München e.V.“, in: Karin Althaus u.a (Hg.), Kunst und Leben 1918 bis 1955, Ausst.-Kat., Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, 15.10.2022–16.04.2023, München 2022, S. 286–287; Christian Fuhrmeister, „Der Kunstverein München im Nationalsozialismus. Was fragen, wie forschen?“, in: Maurin Dietrich / Gloria Hasnay (Hg.), FOR NOW. 200 Jahre Kunstverein München, München/Berlin 2023, S. 113–120.
[3] Brief Pixis an Scharnagl (wie Anm. 1).
[4] Zur städtischen Kulturpolitik in München nach 1945 siehe: Marita Krauss, Nachkriegskultur in München. Münchner Städtische Kulturpolitik 1945–1954, München 1985; Beatrice Wichmann, Kultur verwalten – Demokratie gestalten. Kommunale Kulturpolitik und -verwaltung in München von 1956 bis 1978, unveröffentlichte Dissertation, München 2023.
[5] Wolfgang Benz, „Demokratisierung durch Entnazifizierung und Erziehung“, publiziert am 13.07.2005. URL: https://www.bpb.de/themen/nationalsozialismus-zweiter-weltkrieg/dossier-nationalsozialismus/39605/demokratisierung-durch-entnazifizierung-und-erziehung/ (abgerufen am 17.11.2025).
[6] Erwin Pixis verstarb im Jahr 1946. Siehe: Fuhrmeister 2023 (wie Anm. 2), S. 115.
[7] Das Buch enthält Protokolle des Kunstverein München e.V. von 1921 bis 1954. Siehe: Protokollbuch Kunstverein München e.V., Bibliothek Monacensia, Signatur: C/C/6.
[8] In der Vereinssatzung von 1936 heißt es in § 8 „Mitgliedschaft“ unter Abschnitt d): „Nichtarier können nicht Mitglied des Vereins sein.“ Siehe: Protokollbuch Kunstverein München e.V. (wie Anm. 7).
[9] Protokoll Mitgliederversammlung, 19. April 1947. Siehe: Protokollbuch Kunstverein München e.V. (wie Anm. 7); Warum Eberhard Kuchtner die Neugründungsversammlung initiierte, den Lizensierungsprozess koordinierte und von 1947 bis 1956 1. Vorsitzender war, konnte bisher nicht geklärt werden. In einer Rede, die Kuchtner bei der Mitgliederversammlung 1954 hielt, bezeichnete er sich „als gerichtlich bestellter Pfleger“. Das Typoskript der Rede befindet sich im Nachlass von Edeltraud Kuchtner, der Schwester Eberhard Kuchtners. Siehe: Rede Eberhard Kuchtner Mitgliederversammlung März 1954, Archiv für Christlich Soziale Politik, Signatur: NL Kuchtner Edeltraud: Abgabe_45. Vielen Dank an Stefan Obermeier (Hanns-Seidel-Stiftung Archiv für Christlich-Soziale Politik) für die Recherche und Bereitstellung der Archivalien.
[10] Die zwei weiteren Mitglieder des sogenannten Rats der Herren waren laut Protokoll Oberbaurat Adolf Fraaß und Freiherr Curt von und zu Egloffstein (wie Anm. 7).
[11] Die Ausstellungsbeteiligung von Künstler*innen während der NS-lässt sich mit Hilfe des Namenindex in der Publikation Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Teil 1 Ausstellungen deutscher Gegenwartskunst in der NS-Zeit (2000), herausgegeben von Martin Papenbrock und Gabriele Saure, schnell ermitteln. Vielen Dank an Christian Fuhrmeister für den Hinweis auf die Publikation.
[12] Auf der Website www.gdk-reserach.de können Ausstellungsbeteiligungen von Künstlerinnen sowie Informationen zu Käuferinnen und Kaufpreisen ermittelt werden. Karl Ewald Olszewski, Vorsitzender des Rats der Herren, nahm von 1938 bis 1944 an der GDK teil und verkaufte seine Gemälde u. a. an Joseph Goebbels. URL: https://www.gdk-research.de/de/obj19364367.html (abgerufen am 27.11.2025).
[13] Melanie Wittchow, „Münchner Kunstausstellungen im Maximilianeum 1938 bis 1943“, in: Althaus 2022 (wie Anm. 2), S. 334–337.
[14] Das Konvolut zu Eberhard Kuchtner enthält zahlreiche persönliche Dokumente, die eine Rekonstruktion der Biografie Kuchtners während der NS-Zeit ermöglichen. Siehe: Anm. 9; Im Deutschen Kunstarchiv in Nürnberg befindet sich ein Konvolut zu Verhandlungen der Galerie Arnold/Gutbier mit Erwin Pixis und Anton Sappel als Vertretern des Kunstvereins München, das auf die Zeit von 1935–1940 datiert ist. Das Konvolut wurde für diesen Text nicht gesichtet und ausgewertet. Siehe: Deutsches Kunstarchiv, Signatur: Arnold Gutbier, Galerie, I,B-604.
[15] Bestätigungsschreiben des Landesleiters der Reichskammer der bildenden Künste beim Landeskulturverwalter Gau München-Oberbayern, 21. Januar 1945, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Signatur: MK 51575.
[16] Stephanie Weber, „Ausstellungen in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus 1929 bis 1955“, in: Althaus 2022 (wie Anm. 2), S. 48.
[17] Birgit Jooss / Sabine Brantl, „Rektoren, Professoren, Ehrensenatoren und Ehrenmitglieder der Akademie der Bildenden Künste München 1808 –2008“, in: Nicklaus Gerhart, Walter Grasskamp, Florian Matzner, Hg., 200 Jahre Akademie der Bildenden Künste München, München 2008, S. 558; URL: www.gdk-research.de (abgerufen 17.11.2025).
[18] Übersicht Ausstellungen Kunstverein München e.V. 1949, Stadtarchiv München, Signatur: DE-1992-KULA-1416.
[19] Djukić 2022 (wie Anm. 2), S. 287.
[20] In einem Artikel im Münchner Merkur informierte Richard Braungart über den Auszug des Kunstverein München aus der Villa Zügel. Er dankte Anton Sappel, dem 2. Vorsitzenden des Vereins, und seiner Frau, der Malerin Martha Sappel, für ihre Arbeit. Martha Sappel war Mitglied des Kunstvereins, nach Stand der aktuellen Recherchen hatte sie allerdings nie eine offizielle Position inne. Sie stellte 1943 und 1944 auf der Großen Deutschen Kunstausstellung aus. Siehe: Richard Braungart, „Der Kunstverein zieht um“, in: Münchner Merkur, Mai 1952.
[21] Felicitas Timpe studierte von 1940 bis 1942 in München Kunstgeschichte, Literatur und Theaterwissenschaft, absolvierte nach 1945 eine Lehre als Fotografin in Berlin und arbeitete von 1950 bis 2002 als freie Bildjournalistin in München. Ihr Nachlass befindet sich im Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek. URL: https://www.bsb-muenchen.de/sammlungen/bilder/fotoarchive/fotoarchiv-felicitas-timpe/ (abgerufen am 14.10.2025).
[22] Die Tagung fand vom 11. Juni bis 14. Juni und die Ausstellung vom 11. Juni bis 24. Juni im Kunstverein München statt. Siehe: Elke Lauterbach-Philip, Die GEDOK (Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer e.V.) – ihre Geschichte unter der besonderen Berücksichtigung der Bildenden und Angewandten Kunst, München 2005, S. 163 ff.
[23] Die Tagung fand statt, nachdem Ida Dehmel, Jüdin und Gründerin der GEDOK, 1933 von den Nationalsozialisten gezwungen worden war, den Vorsitz der GEDOK Hamburg und des Bundesverbands niederzulegen. Im Jahr 1942 beging Ida Dehmel Suizid. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde Marianne Gaertner, ihre Nichte, Vorsitzende der Bundes-GEDOK. Sie eröffnete im Jahr 1954 die Bundestagung und -ausstellung, gefolgt von einem Vortrag der Regierungsdirektorin Dr. Irma Heinrich und einer Eröffnungsansprache von Walther von Miller, dem Zweiten Bürgermeister und Kulturreferenten der Stadt München. Siehe: Lauterbach-Philipp 2003 (wie Anm. 22), S. 65–68, S. 78; Zur Berichterstattung über die Bundestagung und -ausstellung siehe: Stadtarchiv München, Signatur: DE-1992-ZA-05142. Vielen Dank an Philipp Zölls für die Recherche.
[24] GEDOK (Hg.), Bundesausstellung der GEDOK 1954. Grafik – Malerei – Plastik, Ausst.-Kat., Kunstverein München, 11.06.–24.06.1954, München 1954.
[25] Katrin Althaus, „Maria Caspar-Filser“, in: Althaus 2022 (wie Anm. 2), S. 80–83; Anke Gröber, „Henny Protzen-Kundmüller“, in: Althaus 2022 (wie Anm. 2), S. 208–211.
[26] Theresa Sepp geht in ihrer Dissertation auf die Zusammenarbeit zwischen Ernst Buchner und dem Kunstverein München während und nach der NS-Zeit ein. Siehe: Theresa Sepp, Künstlerisch, wissenschaftlich, unpolitisch? Ernst Buchner (1892–1962), Kunsthistoriker und Museumsleiter vor und nach 1945, München 2020, S. 132 ff., S. 342, 348.
[27] Dass die Gesichter von Walther von Miller und Ernst Buchner heute bekannt und Portraitfotografien für einen Abgleich vorhanden sind, zeugt von der öffentlichen Sichtbarkeit der beiden. Dass keine der anwesenden Künstlerinnen identifiziert werden konnte, steht wiederum sinnbildlich für fehlendes Wissen über Künstlerinnen aus dieser Zeit.
[28] Elke Lauterbach-Philip, „Das Schicksal der jüdischen Mitglieder und die Frage der Solidarisierung von GEDOK-Mitgliedern“, in: Lauterbach-Philip 2005 (wie Anm. 22), S. 92–96.
[29] Einladungskarte und Katalog Ausstellung Olaf Gulbransson, Stadtarchiv München, Signatur: DE-1992-ZS-0231-2.
[30] URL: https://www.olaf-gulbransson-museum.de/olafgulbransson (abgerufen am 17.11.2025).
[31] Jooss / Brantl 2008 (wie Anm. 17), S. 559; In einem Lexikoneintrag schreibt Paul Hoser: „Gulbransson, Arnold und andere drängten […] die Juden Schoenberner und Heine aus dem Blatt.“ Siehe: Paul Hoser, „Simplicissimus. Satirisches Wochenblatt 1896–1944“, in: NS-Dokumentationszentrum München (Hg.), nsdoku.lexikon, publiziert am 16.01.2025. URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/simplicissimus-zeitschrift-781 (abgerufen am 17.11.2025); 1954 fand eine Einzelausstellung von Franziska Bilek im Kunstverein München statt. URL: https://www.kunstverein-muenchen.de/de/programm/ausstellungen/rueckblick/1954/franziska-bilek (abgerufen 17.11.2025).
[32] URL: www.gdk-research.de; Papenbrock/Saure 2000 (wie Anm. 11).
[33] Jooss / Brantl 2008 (wie Anm. 17), S. 560.
[34] URL: https://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?task=lpbauthor.default&pnd=118663178 (abgerufen am 27.11.2025).
[35] Dass die GEDOK sowohl 1934 als auch 1954 im Kunstverein eine Bundestagung und -ausstellung veranstaltete, weist darauf hin, dass die Erforschung von Vereinen und ihrer Verhältnisse zueinander erhellend für die Auseinandersetzung mit Brüchen und Kontinuitäten im Kunstfeld nach 1945 sein kann. In welcher Beziehung standen die Mitglieder beider Vereine zueinander? Wer war wann in welchem Verein Mitglied? Welche personellen und künstlerischen Überschneidungen gab es?
[36] Zum Verhältnis von Fotografie und Gemeinschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland siehe: Linda Conze, Die Fotografie und das Fest. Zur medialen Herstellung von Gemeinschaft zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus, Göttingen 2025.
[37] Beispielhaft hierfür ist die Ausstellung Verändert die Welt! Poesie muss von allen gemacht werden (1970), in deren Rahmen Studierende der Akademie der Bildenden Künste München in den Kunstverein eingeladen wurden. In ihrem Beitrag setzten sich die Studierenden mit Berufsbiografien von Lehrenden an der Akademie während der NS-Zeit und ihre Weiterbeschäftigung nach 1945 auseinander. Ob und, wenn ja, wie die eigenen personellen Kontinuitäten mit der NS-Zeit damals im Kunstverein diskutiert worden sind, bedarf weiterer Archivrecherchen sowie Gespräche mit Zeitzeug*innen.
[38] In der Broschüre Schnee von gestern? Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts in Gedenkstätten und Museen heißt es: „Dass Rechtsextreme die Erinnerungspolitik als ein wesentliches Kampffeld begreifen, ist kein neues Phänomen. Bereits seit den 1950er-Jahren waren insbesondere die Erinnerungen an den Nationalsozialismus, und mit ihnen auch die NS-Gedenkstätten, immer wieder starken Angriffen von rechts ausgesetzt. Spätestens seit der Jahrtausendwende hat jedoch das Gedenken an die NS-Verbrechen in der deutschen Politik und Öffentlichkeit eine Selbstverständlichkeit erlangt, die sich auch in einer institutionalisierten, professionalisierten und staatlich finanzierten Gedenkstättenlandschaft ausdrückt. Zudem gibt es seit einigen Jahren zahlreiche Bemühungen, Deutschlands koloniale Vergangenheit kritisch aufzuarbeiten. […] Dass die kritische Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen zum Selbstverständnis der Bundesrepublik gehört, ist für das rechtsextreme und rechtspopulistische Streben nach nationaler Größe ein großes Hindernis und Ärgernis. Deshalb ist es eines der zentralen Anliegen des rechtsextremen Milieus, dieses Selbstverständnis zu wenden.“ Siehe: Verein für Demokratische Kultur in Berlin (VDK) e.V. / Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) (Hg.), Nur Schnee von gestern? Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts in Gedenkstätten und Museen, Berlin 2024, S. 3–5.
Abbildungen
[1] Einladung zur Neugründungsversammlung des Kunstverein München (1947). © Monacensia-Bibliothek.
[2] Notiz zur Ausstellung des Kunstverein München in der Städtischen Galerie (1948). © Kunstverein München e.V.
[3] Cover des Ausstellungskatalogs Grafik - Malerei – Plastik, 11. Juni bis 25. Juni 1954, Kunstverein München.
[4] Einladung zur Ausstellung des Kunstverein München e.V. (1947). © Kunstverein München e.V.
[5] Überblick des Ausstellungsprogramms des Kunstverein München (1949). © Kunstverein München e.V.
[6] Einladung zur Ausstellung Heinrich v. Zügel (1949). © Kunstverein München e.V.